Unser Verhältnis gegenüber der Informationsflut ist das gleiche wie das des Menschen gegenüber einem Tsunami. Ohnmacht.

Nichts geht mehr verloren. Kein Blog, kein Tweed, Keine Anfrage bei Google. Mit unseren Aktivitäten im Internet füttern wir gigantische Systeme und Datenbanken. Diesen Wettkampf gegen Maschinen können wir Menschen nur verlieren. Wie in einem Duell, in dem der Gegenüber nicht nur den Ort, den Zeitpunkt sondern auch noch die Waffen bestimmt.
Die Systeme erklären uns: Wir sind besser als die Menschen, die uns erschaffen haben. Wir sind schneller. Wir machen weniger Fehler. Wir können alles parallel und gleichzeitig machen.
Wir wissen alles und nichts geht mehr verloren. Wir sind besser.

Wir Nutzer von PCs, Laptops, Suchmaschinen und Datenbanken. Erkennen an der Spitze der Berichte der modernen Medien eine Veränderung. Es wird über die Folgen von Computerspielen diskutiert.
Wir erkennen, dass es ungesund ist, den ganzen Tag vor dem Bildschirm zuzubringen.
Wir beginnen gerade zu begreifen, welchen Preis wir für die Allgegenwärtigkeit von PC, von Google und Information zahlen. Manchmal endet so etwas im Ruin, manchmal in der Anstalt.

Wenn ich heute einen Tag Offline bin, sammeln sich hunderte von gewollten oder ungewollten Informationsschnippseln. Bald geht es mir so wie einem meiner früheren Chef, der nach seinem Urlaub eine Mail verschickte mit dem Inhalt: “… habe mein Mailpostfach gelöscht. Wenn es was Wichtiges gab bitte nochmal schicken”.

Wir leben ständig in dem Gefühl, eine Information zu verpassen, etwas zu versäumen oder gar zu vergessen. Und es gibt kein Risikomanagement, das hilft. Waren optische oder akustische Signalgeber früher das Zeichen höchster Dringlichkeit, beispielsweise der Pager eines Arztes im Bereitschaftsdienstes im Kino piepte. Schon die Einführung digitaler Diebstahlanlagen hat zu einer Überflutung mit Signalen geführt. Die Folge: keiner reagiert mehr, wenn heute draußen auf der Straße ein Auto piept.  Die Masse der Belanglosigkeiten wir nur noch überboten von Trash Sendungen im Fernsehen zur Mittagszeit. Hauptsache bunt und laut.

War früher die permanente Erreichbarkeit  das Zeichen von Wichtigkeit, sorgt heute eine permanente Erreichbarkeit eher für Bedauern und Mitleid. Immer schneller und hektischer werden wir in Echtzeit, wie in einem Wettrennen, mit Belanglosigkeiten abgefüllt und von Signalen überflutet werden.  Signale die dazu gedachten waren, uns auf etwas Besonderes aufmerksam zu machen verpuffen wirkungslos oder sind gar kontraproduktiv.  Was bleibt ist der Mangel an Aufmerksamkeit bei jedem, der sich diesem Kreislauf nicht zu entziehen vermag.

Nach Wikipedia bezeichnet  ADS  eine bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung, die sich durch Probleme mit der Aufmerksamkeit sowie Impulsivität und häufig auch Hyperaktivität auszeichnet.
Betroffene und ihre Angehörigen stehen meist unter erheblichem Druck. Versagen in Ausbildung oder Beruf und die Entwicklung von weiteren psychischen Störungen sind häufig die Folge.

Mit der Informationsflut hat sich dieses “Aufmerksamkeit Defizit Syndrom” aus den Kinderzimmern und Schulen aufgemacht in die Unternehmen und die Büros.  Ganze Schichten von Mitarbeitern sind daran erkrankt.
Und wenn der Trend zu Informationen in Echtzeit  aus Twitter, Facebook, Google und all die andere Netzwerken so exponentiell weiterwächst, wird die Vielfalt an Signalen und angeblichen Informationen – die nichts weiter sind als das Melden von Trivialitäten – zum ernstzunehmenden Problem.

Und weil wir nur mit der Glasgoogle unseres Laptops in der Lage sind Entscheidungen zu treffen, werden wir bewusst oder unbewusst manipulierbar und auf Grund der Sinken Reaktionszeit auf digitale Signale nicht mehr Herr unserer eigenen Gedanken und Entscheidungen sein.
Das Ringen um die Aufmerksamkeit wird also zum zentralen Erfolgsfaktor unserer modernen Informationsgesellschaft.  Wenn wir uns jedoch alleine die Flut an neuen Informationen in der digitalen Welt anschauen wird sofort klar: Es gibt nicht genügend Aufmerksamkeit für all die neuen Informationen. Damit wird die Aufmerksamkeit zur knappen Ressource.

Und was mit dem Mangel an Aufmerksamkeit einher geht: Wir können nicht mehr unterscheiden was wichtig ist und was nicht. Wir glauben nicht mehr die Zeit zu haben Themen vollständig zu durchdringen und zu Ende zu denken.  Und dadurch wiederum wächst die Zahl der Anfragen an Google und die Spirale der Informationsflut beginnt sich zu drehen und wird zum Tsunami.  Und wir  geraten in Abhängigkeit von Computern und können nicht mehr selbst entscheiden.  Wir müssen darauf vertrauen das der Computer richtig programmiert ist. Sonst stimmt die größte bekannte  Primzahl der Welt (mit über 12.978.189 Stellen) nicht oder die Risikokalkulation der Versicherung  für Immobilien auf dem USA Markt  führt zum Supergau.  Oder die Berechnung des Workingcapitals führt zur falschen Renditeberechnung und damit zu einem schlechteren Rating, womit die Zinsbelastung für die Unternehmen steigt, die Renditeerwartung der Analysten nicht erfüllt wird,  der Aktienkurz einbricht und die Zahl der Arbeitsplätze sinkt, die Konjunktur einbricht ….

Wir leben in einer globalen Welt voller Informationen. Nur sind es die Richtigen?